Die Lenzing Lyocell® Story

Ab den 1970er-Jahren begann in der Cellulosefaserindustrie weltweit die Suche nach alternativen Verfahren zur Viscosetechnologie. Am erfolgreichsten waren dabei die Forscher des niederländischen Akzo-Konzerns. Dessen Tochter American ENKA war nach jahrelangen Forschungsarbeiten in der Lage, Zellstoff in dem organischen Lösungsmittel NMMO (N-Methylmorpholin-N-Oxid) zu lösen und aus dieser Lösung Fasern herzustellen. Akzo-ENKA betrieb nach diesem Verfahren eine Pilotanlage. Das Unternehmen patentierte sein Know-how, stellte die Weiterentwicklung aber ein.

Diese Fasern erhielten später den generischen Namen „Lyocell“. 

Lösungsmittel NMMO & Akzo Manuals

Auch Lenzing forschte nach Alternativen und stieß letztlich auf das NMMO-Lösungsmittel-Verfahren. Nachdem Lenzing im Kleinversuch erfolgreich Fasern nach dieser Technologie herstellen konnte, lizensierte Lenzing 1987 das Know-how von Akzo.

Auch Lenzing Mitbewerber Courtaulds erwarb eine Akzo-Lizenz.

1990 startete Lenzing mit der Errichtung einer semikommerziellen Pilotanlage. 

Heinrich Figro und Wilhelm Feilmair

Zähmung der Cellulose-Lösung

Technisches Kernproblem Nummer eins war damals: Wie löst man den Zellstoff in der organischen Lösung zu einer spinnfähigen Masse auf, ohne dass es zu den gefürchteten unkontrollierten exothermischen Reaktionen kommt? Im großen Maßstab hatte das noch niemand geschafft.

Lenzing ging dabei den Weg der Verwendung einer speziellen „Rührmaschine“ für sehr dickflüssige Medien. Dort wird unter kontrollierten Bedingungen der Lösung Wasser entzogen. Am unteren Ende dieses Apparates kann man die Celluloselösung (Spinnmasse) entnehmen und zu Fasern weiterverarbeiten.

Dies war der Durchbruch zur industriellen NMMO-Faserproduktion, weil damit erstmals die Temperaturentwicklung der Spinnmasse effizient kontrolliert und gesteuert werden konnte. 

Optimierung der Spinntechnologie & Lösungsmittelrückgewinnung

Das zweite Thema war, wie möglichst viel des teuren Lösungsmittels NMMO in einem geschlossenen Verfahrenskreislauf zurückgewonnen werden kann. Ohne Rückgewinnungsraten von weit über 90% (bei Lenzing heute rund 99,8%) wäre eine wirtschaftliche Faserproduktion nicht vorstellbar.

Letztes zu lösendes Problem war, die Spinntechnologie so zu optimieren, dass aus der Spinnmasse Fasern erzeugt werden können. Durch entsprechendes Design der Spinndüsen und durch das Anblasen und Abkühlen der Filamente im Luftspalt konnten schließlich sehr gute und stabile Ergebnisse erreicht werden.

Großanlage in Heiligenkreuz

1994 fiel der Startschuss für den Bau der ersten Lenzing Großanlage. Sie ging 1997 mit einer Startkapazität von 12.000 Tonnen in Betrieb und kostete damals die beachtliche Summe von rund 1,8 Mrd Schilling (ca. 130 Mio EUR).

Heiligenkreuz

Neue Produkte und Applikationen

Der Markt für Lyocellfasern musste aber erst entwickelt werden. Sowohl Lenzing als auch Erzrivale Courtaulds litten unter mangelnder Nachfrage bei schlechten Preisen. Erst die Verbreiterung der Anwendungen, wie etwa im Heimtextilienmarkt und der Einstieg in das Nonwovens-Geschäft führten zu einer Verbesserung der Ertragslage.

Innovationsschub durch Fusion mit TENCEL®

Eine dramatische Wende erfuhr der Markt für Lyocellfasern 2004. Lenzing kaufte die Tencel-Aktivitäten seines ehemaligen Erzrivalen. Durch die Bündelung des Know-hows, die Zusammenlegung der teuren Weiterentwicklung der Faser und der Faserapplikationen konnten am Markt endlich durchgreifende Erfolge erzielt werden.

Lenzing begann, auch seine Lyocellfasern unter dem Namen TENCEL® zu vermarkten.

Better together: TENCEL® und Lenzing Lyocell®
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Die weitere Zukunft der Lyocelltechnologie

Lenzing kann bereits auf eine über 20-jährige Erfahrung in der großindustriellen Lyocell-Technologie zurückblicken. Dennoch bietet das Verfahren noch eine Vielfalt von weiteren Potenzialen.

Derzeit errichtet Lenzing seine vierte Großanlage am Standort Lenzing. Sie wird rund 130 Mio EUR kosten und eine Kapazität von rund 60.000 Tonnen TENCEL® Fasern p.a. aufweisen. Die Inbetriebnahme ist 2014 geplant.

Zusätzlich betreibt Lenzing mittlerweile drei TENCEL® Pilotanlagen. An ihnen werden weitere Faserapplikationen im textilen, technischen und Nonwovens-Bereich erforscht und getestet. 

TENCEL® Anlage